3.4 Einflussnahme durch Eltern und Schüler

Eltern und Schüler, die von diesen Prognosen aus den Medien erfuhren, forderten von der Politik die entsprechenden Kenntnisse in der Schule zu vermitteln. Denn bislang wurde Informatik nur an jedem zweiten Gymnasium unterrichtet (vgl. Der Spiegel 1984: 100).

Die Politik reagierte auf die Situation, indem sie Computerkenntnisse in den Rang einer vierten Kulturtechnik erhob. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen sollte in Zukunft jeder Schüler den Umgang mit dem Computer erlernen – als Pflichtfach an jeder Schulform (vgl. Der Spiegel 1984: 100 ff.).

Bereits nach kurzer Zeit meldete Baden-Württemberg, dass dort 85 Prozent aller Gymnasien mit Computern versorgt seien. Bayern meldete sogar eine Versorgung der Gymnasien von 90 Prozent (vgl. Der Spiegel 1984: 103 ff.).

Dass die Länder unverzüglich mit Erfolgsmeldungen aufwarteten, ist nachvollziehbar. Denn der Druck der Basis war damals enorm groß, so Rudolf Pleschke vom Wiesbadener Planungsinstitut. Alle wollten die neuen Heimcomputer. War es doch plötzlich möglich für ein paar hundert Mark Computer zu kaufen, die so viel leisteten, wie die mehrere Millionen Mark teuren Großrechner noch ein paar Jahrzehnte zuvor (vgl. Der Spiegel 1984: 109).

Trotzdem bleibt es fraglich, wie aussagekräftig die Erfolgsmeldungen jener Zeit waren. War eine Schule schon mit Computern versorgt, wenn sie beispielsweise drei Geräte erhalten hatte? Und wie viele Lehrer konnten an einer solchen Schule dann mit der neuen Technik umgehen? Wie viele Lehrer verfügten in diesem Bereich über didaktische Kenntnisse? Verfügten die Schulen überhaupt über genügend Lehrer, um einen zusätzlichen Unterricht anbieten zu können?

Schüler und Eltern nahmen das informationstechnische Unterrichtsangebot der Schulen offensichtlich nicht als ausreichend wahr. Denn überall schossen Bildungszentren und Computerschulen aus dem Boden. Was dazu führte, dass Experten einen Funktionsverlust des staatlichen Bildungssystems und eine Tendenz zur Privatisierung von Bildungsmitteln befürchteten, dem entgegengesteuert werden müsse (vgl. Der Spiegel 1984: 109).

Diese Befürchtungen verstärkten den durch Schüler und Eltern initiierten Nachfragesog. Was dazu führte, dass es in vergleichsweiser kurzer Zeit gelang, bundesweit informationstechnischen Unterricht anzubieten. Ein enormer Erfolg für die Basis! Denn im Ergebnis beschleunigte ihr Bildungswunsch nicht nur die Einführung informationstechnischer Bildung, sondern verschaffte dieser zudem eine größere Bedeutung, als dies von den Kultusministern ursprünglich vorgesehen war (vgl. Der Spiegel 1984: 109).

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