5.1.2 PISA-Studien – Beginn einer neuen Steuerung im Bildungswesen

Bereits die Ergebnisse der ersten PISA-Studie führten 2001 in Deutschland zum sogenannten PISA-Schock und einer breiten öffentlichen Debatte über das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler (Tillmann 2015: 23 f.). Denn diese Ergebnisse standen deutlich im Widerspruch zum deutschen Selbstverständnis eine große Bildungsnation zu sein (vgl. Busemeyer 2015: 125).

In den Medien, der Wissenschaft und der Politik herrschte Einigkeit darüber, dass solche Ergebnisse nicht hinnehmbar seien. Gemeinsam machten sich deshalb alle betroffenen Akteure daran, das Bildungswesen zu optimieren (vgl. Debuschewitz & Bujard 2014: 2 f.). Ziel der gemeinsamen Anstrengungen war es in zehn Jahren einen Platz unter den fünf Besten zu belegen, so Bundesbildungsministerin Bulmahn (vgl. Der Spiegel 2002).

Dieses Ziel führte im Bereich der Steuerung des Bildungswesens zu gravierenden Veränderungen:

  • Bildungspolitik und -wissenschaft forderten, Entscheidungen von nun an auf Grundlage empirischen, wissenschaftlichen Wissens zu treffen (vgl. Diemer 2013: 15).
  • Die Indikatoren, mittels derer die PISA-Studien die Länderleistungen maßen, erhielten eine bildungspolitikleitende Bedeutung, die sie vorher nicht innehatten (vgl. Busemeyer 2015: 144).
  • Folglich wurde die Qualität schulischer Bildung von nun an am Output, also den Lernergebnissen der Schüler gemessen (vgl. BMBF 2007: 12). Damit fand ein Paradigmenwechsel von einer Input- zu einer Output-Orientierung der Steuerung im Bildungswesen statt (vgl. Diemer 2013: 15).
  • Im Zuge dieses Paradigmenwechsels hielt ein marktorientiertes Steuerungsmodell Einzug in die deutsche Bildungspolitik, das viele Steuerungskompetenzen nach unten delegierte (vgl. Busemeyer 2015: 145), zur Dezentralisierung von Entscheidungen führte, die Autonomie der Einzelschulen stärkte und diesen viele Steuerungsprozesse übertrug (vgl. Diemer 2013: 15).
  • Ein Instrument dieses marktorientierten Steuerungsmodells war die Wettbewerbsorientierung. Schulen befinden sich seitdem untereinander in einer Konkurrenzsituation und müssen um Lernende werben (vgl. Fuchs 2008: 23).

Auf nationaler Ebene wurden die neuen Standards durch das 2003 gegründete Institut für Qualitätssicherung im Bildungswesen (IQB) weiterentwickelt, das auch die Verantwortung für die Durchführung von Schulleistungstests trägt (vgl. Busemeyer 2015: 144 f.).

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