5.5.4 Konkurrenz von pädagogischen Anliegen

Doch nicht nur der fächerübergreifende PC-Einsatz kostet Unterrichtszeit, die dann bei den Fachinhalten fehlt. Denn der Fachunterricht soll heute inklusiv sein, Flüchtlings- und Migrantenkinder integrieren, die Schüler bei ihrer Berufswahl unterstützen, Schüler in den Bereichen der ökonomischen Allgemeinbildung, Umwelt- und Verbraucherbildung fördern, Erziehungsaufgaben übernehmen, die bislang von den Eltern wahrgenommen wurden (vgl. Karst 2014; ISB 2007: 34 f.) usw.

Den Schulen sind in den vergangenen Jahren immer mehr Aufgaben übertragen worden. Insbesondere an Schulen in sozialen Brennpunkten scheint es nicht möglich, alle diese Aufgaben in dem von der Politik und Schulverwaltung gewünschten Maße umzusetzen. Folglich stehen diese Aufgaben in einer direkten Konkurrenz zueinander.

Schulleitungen haben die Qual der Wahl und müssen entscheiden, welche Aufgaben in welchem Umfang erfüllt werden sollen – eine der vielen Schattenseiten der zunehmenden Autonomie der Schulen. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Schulleitungen am Schulrecht orientieren und zunächst die zwingend vorgeschriebenen Aufgaben erfüllen. Erst danach bleibt ihnen ein Ermessensspielraum für die weniger konkreten pädagogischen Anliegen.

Im Ranking der Schulleitungen lässt sich die fächerübergreifende Medienbildung dann nicht selten am Ende der Skala verorten. Das liegt nicht nur daran, dass die Schulen häufig über keine angemessene IT-Ausstattung verfügen und die Schulleitungen die fächerübergreifende Medienbildung selbst dann, wenn sie es wollten, nicht fördern können. Zusätzlich haben die Schulleiter die in Kapitel 5.5 geschilderten Bedenken. Darüber hinaus birgt die Medienbildung aber auch diverse Risiken, die anderen pädagogischen Anliegen nicht innewohnen. So schädigen sich die Schüler durch Mobbing via Social Media untereinander (vgl. mmb 2015: 2) und durch einen exzessiven, missbräuchlichen PC-Einsatz selber (vgl. Pfeiffer, Mößle, Kleimann & Rehbein 2007: 10; Rehbein 2013: 26; Dreier, Duven, Müller, Beutel, Behrens, Holtz, & Wölfling 2012). Diese Probleme belasten auch den Unterricht, führen zu einem weiteren Verlust an Unterrichtszeit und sind im Worst Case geeignet den Schulfrieden nachhaltig zu stören (vgl. mmb 2015: 2; PK 2015; LMK 2015; Simon 2014; Der Spiegel 2015b).

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